Mittwoch, 2. September: Gellerts geistliche Oden und Lieder Nr. 33 – Die Güte Gottes

Wir sehen uns wieder im Gottesdienst und genießen das, aber das Singen fehlt uns. Daher soll es in diesem Sommer auf unserer Website jede Woche ein geistliches Lied geben. Die Sängerin Juliane Schubert erfreut und entschädigt uns mit geistlichen Oden und Liedern von Johann Fürchtegott Gellert (1715–1769), vertont durch Carl Philipp Emanuel Bach (1714–1788), dem berühmtesten der Söhne Johann Sebastian Bachs.

Mit der Vertonung von Gellerts Oden 1758 wurde Carl Philipp zu einem der angesehensten Liedkomponisten Deutschlands, sicher auch weil Gellert zu den beliebtesten Dichtern in Deutschland zählte. Der Aufklärer Gellert verbindet in seiner Poesie geschickt pietistische Frömmigkeit und moralische Belehrung mit Humor und hatte damit in seiner Zeit großen Erfolg. Fünf Auflagen der Vertonungen Carl Philipps erschienen allein zu dessen Lebzeiten.

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Hören
Ihr Andreas Hetze

33. Die Güte Gottes

Wie groß ist des Allmächtgen Güte!
Ist der ein Mensch, den sie nicht rührt;
Der mit verhärtetem Gemüte
Den Dank erstickt, der ihm gebührt?
Nein, seine Liebe zu ermessen,
Sei ewig meine größte Pflicht!
Der Herr hat mein noch nie vergessen;
Vergiß, mein Herz, auch seiner nicht!

Wer hat mich wunderbar bereitet?
Der Gott, der meiner nicht bedarf.
Wer hat mit Langmut mich geleitet?
Er, dessen Rat ich oft verwarf.
Wer stärkt den Frieden im Gewissen?
Wer gibt dem Geiste neue Kraft?
Wer läßt mich so viel Glück genießen?
Ist’s nicht sein Arm, der alles schafft?

Schau, o mein Geist, in jenes Leben,
Zu welchem du erschaffen bist;
Wo du, mit Herrlichkeit umgeben,
Gott ewig sehn wirst, wie er ist.
Du hast ein Recht zu diesen Freuden;
Durch Gottes Güte sind sie dein.
Sieh, darum mußte Christus leiden,
Damit du könntest selig sein.

Und diesen Gott sollt ich nicht ehren
Und seine Güte nicht verstehn?
Er sollte rufen, ich nicht hören,
Den Weg, den er mir zeigt, nicht gehn?
Sein Will ist mir ins Herz geschrieben,
Sein Wort bestärkt ihn ewiglich:
Gott soll ich über alles lieben
Und meinen Nächsten gleich als mich.

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